¥ | Île | Leipzig | 2025
¥ steht einerseits für die Frage Y (Warum?), deren Antwort = (gleich) in diesem Fall offenbleibt – und sich dadurch selbst beantwortet. Sie macht deutlich, dass nicht die Antwort, sondern die Auseinandersetzung von Bedeutung ist. Zugleich verweist der Titel auf die mathematische Formel, die in ihrer Abstraktion dennoch eine klare Struktur trägt – ein Spiegel des künstlerischen Prozesses. Darüber hinaus steht Y auch für das Symbol des Monetären (¥), und damit für die Frage nach dem Wert – als implizite Antwort auf die ewige Frage: Warum Kunst?
Der Titel spiegelt johann s’ künstlerische Haltung wider, die in der fortlaufenden Reduktion zur Essenz strebt. In dieser Ausstellung wird die Selbstwahrnehmung in der Gegenwart untersucht – der Blick richtet sich auf den Wunsch nach Einheit und die damit einhergehende Spaltung. Auf das, was scheinbar klar ist, und auf das, was im Nebel liegt. Y =reflektiert den gegenwärtigen Zustand des Selbst im Verhältnis zur Gesellschaft: Das Individuum rückt zunehmend ins Zentrum, während Gemeinschaft und kollektives Interesse in den Hintergrund treten.
Mich interessiert, wie aus dieser Dynamik eine neue Vision entstehen kann – eine, die aus dem Vergangenen lernt, es aber nicht reproduziert. Wie kann aus Abgrenzung ein Weg zu einer Form von Gemeinschaft entstehen, in der das Miteinander wieder fruchtbare Bedeutung gewinnt?
Die Titel der Werke sind bewusst religiös konnotiert, da Glaubensfragen zunehmend über Einigkeit und Trennung entscheiden. Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse werden immer stärker relativiert, erscheinen als Auslegungssache. So entsteht der Eindruck, die individuelle Wahrnehmung sei die neue Maßeinheit – und nur das Gefühlte real. Aus künstlerischer Perspektive kann ich diesem Ansatz viel abgewinnen: Räume zu schaffen, in denen das subjektive Erleben Platz hat und die Deutungshoheit absolut ist – ohne zu vergessen, dass eine Realität ohne Objektivität letztlich ein rein subjektives Konstrukt bleibt.
Angelehnt an archaische Formen, die über Jahrtausende als Träger kultureller Vorstellungen dienten – Vasen, Teppiche, Spuren von Höhlenmalerei und Hieroglyphen – entstehen Arbeiten, die Bedeutung nur andeuten, um sie zugleich zu entziehen. Die Deutungshoheit liegt bei den Betrachtenden – und damit wird das Verständnis selbst zum Gegenstand der Untersuchung.




















